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Gijon – auf dem Weg in die Zukunft

30/03/08 20:18 CET

Spanien

metropolitans

Gijon, eine der wichtigsten Hafenstädte an der Atlantikküste Spaniens, am Kreuzweg zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die Kelten haben sie gegründet und die Römer haben sie ihrem Imperium einverleibt. Hier in der Region Asturien gelang König Pelayo im achten Jahrhundert der erste Sieg gegen die arabischen Eroberer, hier begann die Reconquista. Doch die Zeit der Blüte der traditionellen Industrien ist vorbei. Die Steinkohlegruben und die Eisenhütten-Werke wurden stillgelegt und sind neuen Wirtschaftszweigen gewichen. Neue soziale Strukturen sind entstanden. Gijon ist seit Jahren der Inbegriff eines radikalen Wechsels. Die Stadt war gezwungen, sich neu zu erfinden, durch Tourismus, Bildung und Dienstleistungen versucht sie, die Krise zu überwinden. Der Journalist Eduardo Garcia sagt: “Wir sprechen von einem Prozess der industriellen Konversion, der bereits ein Vierteljahrhundert andauert. Zu Beginn der siebziger Jahre traf die Krise jene Betriebe Asturiens, die am stärksten in den Traditionen verhaftet waren. Doch die Krise ist noch nicht vorbei. Früher waren wir an Wachstum gewöhnt. Es ist nicht leicht, zu akzeptieren, dass die Dinge verschwinden, ganz im Gegenteil.”

Für den größten Teil der Bevölkerung waren die achtziger und die neunziger Jahre sehr hart. Im Verlauf von wenigen Jahren verschwanden 26.000 Arbeitsplätze. Der wirtschaftliche Niedergang löste soziale Spannungen aus, die sich in Gewalt entluden. Unter anderem inspierierte das Drama den spanischen Regisseur Fernando Leon zu dem mehrfach preisgekrönten Film “Montags in der Sonne”. “Wie das alles gelöst wurde? Auch mit einer Regelung für den vorgezogenen Ruhestand, die den sozialen Frieden wiederherstellte. Die Kehrseite davon war eine enorme Verschwendung von Talent und Energie”, so Eduardo Garcia. Die Frühverrentung traf in erster Linie die Facharbeiter und Angestellten in den Werften, Kohlegruben und Stahlwerken. Im Arcelor-Stahlwerk hier in Gijon und in einem Schwesterbetrieb in Avilès wurden innerhalb weniger Jahre rund 12.000 Stellen abgebaut. Gleichzeitig aber wuchs die Produktion um ein Viertel, der Stahl-Ausstoß stieg von vier auf fünf Millionen Tonnen pro Jahr.

Nach Ansicht des für Wirtschaftsfragen zuständigen stellvertretenden Bürgermeisters Jose Maria Perez Lopez liegt in der wirtschaftlichen Krise zugleich die Chance der Veränderung: “Der Stadt tat eine Veränderung not und die Krise war der Auslöser dafür. So wurden die Weichen für diese Veränderung gestellt. Ohne die Krise wäre der Prozess viel langsamer verlaufen. Nur als Beispiel: Man kann nichts mit einem Werk inmitten der Stadt tun, solange da eine ganze Menge Leute arbeiten. Verschwindet dieses Werk, wie das während der Krise geschehen ist, so entsteht ein schwer wiegendes soziales Problem. Neue Arbeitsplätze müssen geschaffen werden. Zugleich aber entsteht die Möglichkeit, diese Räume neu zu gestalten, was die Voraussetzung zur Schaffung neuer Arbeitsplätze ist.”

Die Neugestaltung der Stadt und ihrer Region wird vor allem im Hafen Gijons deutlich. Musèl ist Spaniens viergrößter Hafen, doch was die Verschiffung von Koks, Kohle und Stahl anbelangt, so ist er die Nummer eins. Der Hafen beherbergt ein Elektrizitätswerk, hinzu kommen in Zukunft eine Wieder-Verdampfungsanlage und ein Container-Terminal. Ein Künstliches Dock wird die Kapazität des Hafens verdoppeln. Für dieses ehrgeizige Projekt entstanden riesige Betonteile – sie sind 52 Meter hoch und 32 Meter breit. Bautechnisch gesehen sind sie ein Novum, für das die Europäische Union 800 Millionen Euro bereitgestellt hat. Es handelt sich um die größte Investion der Wirtschaftsgeschichte Asturiens.

Die Europäische Union unterstützt auch eine ganze Reihe von Bildungsprojekten. Entwickelt werden sie hier in der Universität Laborial. Diesen so genannten Wissenschafts- und Technologie-Park gibt es erst seit vier Jahren. Es ist die einzige Einrichtung dieser Art in Spanien. 36 Unternehmen haben sich inzwischen angesiedelt, tausende Menschen arbeiten hier. Wir sprachen mit Pablo Priesca, Leiter eines Konsortiums, das die Bürger mit den neuen Technologien vertraut macht: “In den neunziger Jahren einigte man sich auf neue Wirtschaftsstrategien und darauf, der Wirtschaft der Region neue Wege zu öffnen. Die Regional-Regierung gab Untersuchungen in Auftrag, um herauszufinden, welchen Aktivitäten dabei Vorrang gegeben werden sollte. Eine davon war die Informationstechnologie.”

Hunderte Menschen sind hier damit beschäftigt, Kindern und Teenagern die neuen Technologien näher zu bringen. Francisco Florez erläutert: “Wir arbeiten am Projekt Fantas-Technik, das für Schulkinder gedacht ist. Der Schulunterricht in Sachen Technologie soll damit erleichtert werden.”

Der Wissenschafts-Park Gijon zieht viele junge Fachleute aus dem ganzen Land an. Viele kommen unmittelbar nach dem Studium nach Gijon, sie sind voller Ideen. Die Absolventen sind nicht nur kreativ, wenn es um Geschäftliches geht. Die Idee ist genial: Es geht um eine Maschine, die Apelwein ausschenkt, der hier sehr beliebt ist. Damit seine Qualitäten zur Geltung kommen, muss er aus großer Höhe in die Gläser eingeschenkt werden. Der leichte Wein will mit Sauerstoff angereichert werden. Zum Ausschenken des Getränks haben die jungen Wissenschaftler nun die Maschine entworfen. Die Mischung von Tradition und Moderne zeigt, dass Gijon den Weg in die Zukunft bereits gefunden hat.

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