Von den Milchproduzenten und mehreren Mitgliedsstaaten unter Druck gesetzt, sucht EU- Landwirtschafts-Kommissarin Mariann Fischer Boel nach Auswegen aus der Krise. Die Ursachen des Konflikts: Niedrige Milch-Preise, die sich auf die Einkünfte der Milchbauern auswirken. Der Liter Milch wird im Durchschnitt mit 24 Cent gehandelt, 2007 noch betrug der Preis dafür zwischen 30 und 40 Cent. In einigen Mitgliedsländern bekommen die Bauern sogar nur 20 bis 21 Cent pro Liter. Der Preisverfall ist zum einen auf die sinkende Nachfrage und zum anderen auf die höhere Milchproduktion in Staaten wie Australien, Neuseeland oder Brasilien zurückzuführen. Zudem sind die Milchproduzenten damit unzufrieden, dass Europa die Krise nicht in den Griff bekommt. “Seit Beginn der Milchkrise ist viel Geld darauf verwendet worden, den Markt zu stabilisieren”, sagt Michael Mann, EU-Sprecher für Landwirtschaft. Allein in diesem Jahr wird das rund 600 Millionen Euro kosten. Das bedeutet: Ankauf der Überproduktion, Lagerung, Unterstützung des Exports, Direktzahlungen. Die Milchbauern sind die einzige Gruppe, die Direktzahlungen aus Brüssel erhält.”
Landwirtschafts-Kommissarin Fischer Boel hat zusätzliche Hilfen für den Sektor angekündigt: Die Mitgliedsstaaten haben die Möglichkeit, jedem Milchproduzenten vorübergehend Hilfen in Höhe von bis zu 15.000 Euro zur Verfügung zu stellen. Zudem schlug sie vor, den Milchsektor mit einer Dringlichkeits-Klausel zu schützen, um in Zukunft auf Markt-Turbulenzen schneller reagierieren zu können. Keine Frage, dass auch die für 2015 geplante Aufhebung der Milch-Quoten neu überdacht werden muss. Genau darum aber schreien die Milchproduzenten auf: Ein Ende der Quoten, das im Grunde Angebot und Nachfrage ausgleichen soll, ist für die Landwirte ein Alptraum. Eine Reihe von Europa-Abgeordneten sind für die Beibehaltung der Quoten, die aber, so der französische Bauernführer Jose Bove, reduziert werden sollte: “Die Europäische Union muss die Milchquote sofort um fünf Prozent heruntersetzen, um rasch ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herzustellen. Die Politik des “Laissez faire” ist untragbar, sie hat unmittelbare Folgen für die Beschäftigung und für die Bewirtschaftung des Landes. Ein Europa ohne Bauern ist undenkbar.” Es geht auch um ein anderes Gleichgewicht: Jenes zwischen den Produzenten und der Lebensmittel-Industrie. Ziel ist eine größere Transparenz der Preise, von der alle profitieren werden. Ein Experten-Team wurde eingesetzt.
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tags: Europäische Union, Landwirtschaft
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