Fürst Albert II. von Monaco, im Interview mit euronews-Reporterin Lesley Alexander
Über viele Jahre hin beschäftigten sich vor allem die bunten Blätter mit diesem Mann.
Genauer gesagt, mit den Frage, welche Dame er denn nun zur First Lady im kleinen Fürstentum Monaco zu machen gedenke.
Verheiratet ist Fürst Albert II., der 2005 seinem verstorbenen Vater Rainier auf den Thron folgte, immer noch nicht. Dafür macht er mit ernsthaften Themen von sich reden.
euronews-Reporterin Lesley Alexander hatte Gelegenheit, mehr zu erfragen.
euronews
Seit Ihrer Ernennung zum Regenten von Monaco hat man Ihnen den Spitznamen “grüner Fürst” angehängt. Warum räumen Sie der Umwelt diese Priorität ein?
Fürst Albert II.
Wie Sie wissen war ich schon seit Jahren mit meinem Vater, mit dem Fürstentum in verschiedene Initiativen eingebunden.
Beim 2. Gipfeltreffen zum Thema 2002 in Johannesburg bekam ich dann ein Gefühl dafür, welche Notwendigkeiten da auf uns zukommen.
Als ich die Verantwortung von meinem Vater übernahm, räumte ich deshalb dem Thema Priorität ein – und zwar nicht nur für den Staat Monaco und dessen Bürger.
Auch für mich ganz persönlich.
Darum gründete ich die Stiftung, die meinen Namen trägt. Sie ist Umweltfragen gewidmet und möchte auf diesem Gebiet etwas bewegen.
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Sie haben das Kyoto-Protokoll unterzeichnet, sind selber zum Nord- und zum Südpol marschiert. Was war an diesen Expeditionen in Grenzgebiete unserer Umwelt so wichtig für Sie?
Fürst Albert II.
Ich denke, das persönliche Erleben war wichtig.
Dieses “fähig sein, sich in die lebensfeindlichtsten Gebiete zu begeben”, in denen die Umwelt so hochgradig gefährdet ist, die so deutliche Indikatoren sind für den Klimawandel.
Darum ging ich in die Arktis.
Ich wollte damit auch an den 100. Jahrestag der Arktis-Expedition meines Ur-Ur-Großvaters erinnern.
Und dann ging ich im Januar in die Antarktis.
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Beim Wettbewerb um Umweltfreundlichkeit gibt es noch einen Prinzen…
Fürst Albert II.
Prinz Charles.
Das ist kein Wettbewerb, das ist Partnerschaft!
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Haben Sie auch gemeinsame Projekte?
Fürst Albert II.
Wir sprechen dauernd darüber. Es ist schwer, gemeinsame Termine für umfangreiche Debatten zu finden, aber wir suchen gerade nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
euronews
Ich weiß nicht, wie das beim Prince of Wales ist, aber bei Ihnen ist die Liebe zur Natur eine Art Familientradition.
Sie haben Ihren Ur-Ur-Großvater erwähnt und Ihren Vater, Fürst Rainier.
Hat er Ihr Umweltinteresse geweckt, als er Ihnen in den 70er Jahren diese ungwöhnliche Landkarte schenkte?
Fürst Albert II.
Ja, absolut. Es ist eine Karte, die “National Geographic” 1970 , also vor fast 40 Jahren, verbreitete unter dem Titel “Wie der Mensch seine Welt verschmutzt”.
Die Themen von damals sind heute immer noch die gleichen, nicht nur Schadstoffbelastung und Müllbeseitigung, auch Waldsterben, Überfischung.
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Ich habe gelesen, Sie haben die Karte auf Expeditionen immer dabei.
Fürst Albert II.
Ich reise mit einer kleineren Ausgabe, nicht mit der kompletten Karte. Die hing viele Jahre lang in meinem Zimmer. Natürlich habe ich sie genau betrachtet, als ich sie bekam, aber dann habe ich sie vergessen. Sie hing da einfach an der Wand.
Erst vor wenigen Jahren dachte ich mir, das habe ich doch schon mal irgendwo gelesen .
Und richtig – es war die ganze Zeit da.
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Warum ist Ihnen der Schutz des Blauflossen- Thunfisches so wichtig?
Fürst Albert II.
Wenn diese Spezies verschwindet, gibt es eine große Lücke im Öko-System des Mittelmeeres und des Süd-Atlantiks – mit riesigen Folgen für die Nahrungsmittelkette und für das gesamte Öko-System.
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Wenn man “Monaco” sagt, fällt dem meisten Menschen “Steuerparadies” ein oder “Spielplatz für Millionäre – Sie selbst wurden in der Regenbogenpresse jahrelang als “Playboy-Prinz” dargestellt.
Inwieweit hat Ihr Einsatz für die Umwelt an diesem Image etwas geändert?
Fürst Albert II.
Ich habe damit nicht angefangen, um mein Image zu ändern. Die Wirklichkeit Monacos sah immer etwas anders aus, als in gewissen Medien dargestellt. Hier gibt es nicht nur Spielkasinos und Luxustourismus, die spielen zwar eine wichtige Rolle für unsere Wirtschaft, sind aber nur ein Teil davon. In Monaco passiert viel mehr in Wissenschaft, Forschung, Kultur, Sport….
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Aber das Etikett “Steuerparadies” bleibt – aus naheliegenden Gründen….
Fürst Albert II.
....aus naheliegenden Gründen!
Aber ich meine, wir sind damit ziemlich erfolgreich umgegangen, denn wir stehen nicht auf den verschiedenen Listen zu Steuerinformationen und Geldwäsche. Wir konnten also zeigen, dass wir dieses Image weit hinter und gelassen haben. Aber ich bin Realist und weiß, das es uns noch einige Zeit anhängen wird.
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Der Gipfel von Kopenhagen , Ende dieses Jahres, soll auf Kyoto aufbauen. Das Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Sind Sie optimistisch, dass in der dänischen Hauptstadt eine sinnvolle Entscheidung getroffen wird?
Fürst Albert II.
Ich weiß nicht, ob es eine Frage von Optimismus oder Pessimismus ist. Wir müssen einfach zu einer Entscheidung kommen. Das hat auch UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gesagt. Wir können es uns nicht leisten, keinen neuen Text zu haben mit Festlegungen für die nächste Generation über CO-2- Emissionen, über Quoten. Wir müssen einen Kompromiß finden.
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Wenn Sie zum Schluß einem für Umweltprobleme aufgeschlossenen Menschen wie mir einen Rat geben könnten – was sollte ich tun, um wirklich etwas zu bewirken. Was schlagen Sie vor?
Fürst Albert II.
Wir müssen nicht nur unsere Lebensweise in Frage stellen sondern unsere ganze Vorstellung von Lebensqualität. Wir müssen wegkommen von einer Gesellschaft, die vom Konsum besessen ist. Es muss etwas Anderes geben, das ich auch noch nicht genau benennen kann – aber so wie heute können nicht weitermachen.
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tags: Monaco, Umweltschutz
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