Drei Monate vor dem Mauerfall bekam der “Eiserne Vorhang” seinen entscheidenden Riß.
Und zwar zwischen dem – dem Namen nach noch “sozialistischen” Ungarn und dem westlichen Österreich.
“Pan-europäisches Picknick” nannten die Organisatoren ihre Veranstaltung, bei der die Menschen ein paar Stunden lang zwischen Ungarn und Österreich hin- und herspazieren sollten.
Die vielen DDR-Bürger aber, die auf Gerüchte hin, hier käme man durch, nach Ungarn gefahren waren, wollten nur weg. Durch Flugblätter auf diese Chance aufmerksam gemacht, fanden sich gut 700 rechtzeitig in Sopron ein.
So auch Dietmar Poguntke. Der erzählt 20 Jahre später: “Ich laufe denn da durch durch dieses Loch und dann steht da ein Österreicher und meint, herzlich willkommen in der Freiheit. OK, mit so einem Stück Stacheldraht, das er hielt wie eine Rose. Ja, meint, er, du bist schon in Österreich.”
Am 10. September um Mitternacht öffnete Ungarn offiziell die Grenze zu Österreich –
und tausende DDR-Bürger, die in improvisierten Lagern in Ungarn ausgeharrt hatten, durften endlich in den erträumten “Goldenen Westen”.
Mit wie vielen Millionen DM-Mark damals die Regierung Kohl der ungarischen Regierung diese Entscheidung erleichtert hat, ist so genau nicht mehr nachzuprüfen.
Der einzige Weg aus dem eigenen Land heraus ohne behördliche Genehmigung führte dazumal für DDR-Bürger in die Tschechoslowakei.
Folglich stürmten sie zu Tausenden die bundes-deutsche Botschaft in Prag – denn solche Aktionen hatten in der Vergangenheit immer mal wieder zur ersehnten Ausreise in den Westen verholfen.
Ende September campierten in der Botschaft und im Garten fast 4.000 Flüchtlinge.
Die folgende Szene ist in die Geschichte eingegangen. Ihr Held – der bundesdeutsche Außenminister Hans-Dietrich Genscher.
Er verkündete den wartenden DDR-Bürhern, dass ihre Ausreise in den Westen nur noch eine Frage von Stunden ist.
Der Rest seiner Ansprache vom Balkon der Botschaft ging im Jubel unter.
In völliger Verkennung der eigenen Machtlosigkeit hatten es die DDR-Oberen zur Bedingung gemacht, dass die Züge von Prag in die Bundesrepublik über DDR-Territorium fahren sollten, damit man die Ausreisewilligen per Stempel “aus der DDR-Staatsbürgerschaft entlassen”.
Der damalige SED-Chef von Dresden und spätere Ministerpräsident der DDR-Übergangsregierung bis zu den ersten freien Wahlen, Hans Modrow, hatte vergeblich versucht, seine Parteivorgesetzten in Berlin davon abzubringen, die Züge durch Dresden fahren zu lassen.
Einer, der in einem dieser Züge sass, erinnert sich.
“Wir sind über Bad Brambach gefahren, da kam dann nochmal die Stasi rein und hat die Ausweise eingesammelt und als ich den ersten Mann vom Bundésgrenzschutz bei uns im Zug sah, den hätte ich umarmen können, das war der Augenblick meines Lebens.”
20 Jahre danach wird aus der Botschaft in Prag eine Gedenkstätte.
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