Die Geschichte der Europäischen Union ist eine Geschichte des Friedens. Ihre Wurzeln gehen auf die Lehren des Zweiten Weltkriegs zurück. In Europa sollte es nie wieder Krieg und Zerstörung geben. Kurz nach 1945 wird Europa in Ost und West geteilt, und es beginnen 40 Jahre Kalter Krieg. Westeuropäische Staaten gründen 1949 den Europarat. Dies ist ein erster Schritt zur Zusammenarbeit.
Sechs Länder aber wollen diese weiter vertiefen. Am 9. Mai 1950 legt der französische Außenminister Robert Schuman einen Plan für eine engere Zusammenarbeit vor. In einer geschichtsträchtigen Rede stellt Schuman die Grundlagen der heutigen EU vor. Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl wird gegründet (EGKS). Deutschland, Frankreich, Italien und die Benelux-Staaten Belgien, Luxemburg und die Niederlande beschließen, ihre Kohle- und Stahlindustrie unter eine gemeinsame Verwaltung zu stellen und sie nicht länger zu Kriegszwecken gegeneinander einzusetzen.
In einem Jahrzehnt, das geprägt ist vom Kalten Krieg zwischen Ost und West, vom Aufstand in Ungarn, der sofort von sowjetischen Panzern brutal unterdrückt wird, beschließen die sechs EGKS-Staaten, ihre Zusammenarbeit auf andere Wirtschaftsbereiche auszuweiten. Sie unterzeichnen den Vertrag von Rom und gründen damit die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), auch „Gemeinsamer Markt“ genannt. Angestrebt wird die Freizügigkeit von Personen, Waren und Dienstleistungen.
1961 lässt die Staatsführung der DDR eine Mauer durch Berlin errichten. Für die sechs ist es eine Zeit des wirtschaftlichen Wachstums. Mit der Gemeinsamen Agrarpolitik kontrollieren die Mitgliedstaaten von 1962 an gemeinsam die Produktion von Nahrungsmitteln. Die Landwirte erhalten einheitliche Preise für ihre Erzeugnisse. Die Landwirte verdienen gut, es kommt jedoch zur Überproduktion. Im Mai 1968 kommt es in Frankreich zu Studentenunruhen, dann auch in anderen Staaten. Im August unterdrücken sowjetische Panzer den Prager Frühling. Im Juli 1968 beschließen die sechs EWG-Staaten die Abschaffung der Binnenzölle und ermöglichen so erstmals einen grenzüberschreitender Freihandel.
Die erste Erweiterung
Die erste Erweiterung prägt die 70er Jahre. Am 1. Januar 1973 treten Dänemark, Irland und Großbritannien bei, die Zahl der Mitgliedstaaten wächst auf neun. Im Oktober führt der Jom-Kippur-Krieg zu einer Begrenzung der Erdöllieferungen, es kommt zu einer Energiekrise in Europa, wirtschaftliche Probleme tauchen auf. Als Zeichen der Solidarität gründen die EWG-Staaten den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, mit dessen Hilfe in den weniger wohlhabenden Regionen Straßen gebaut, eine Kommunikationsinfrastruktur eingerichtet und so Investitionen gefördert und Arbeitsplätze geschaffen werden. Heute macht diese Art der Förderung ein Drittel aller EU-Ausgaben aus.
Der Sturz des Salazar-Regimes in Portugal 1974 und der Tod von General Franco in Spanien 1975 bedeuten das Ende der letzten faschistischen Diktaturen in Europa - und die Aussicht auf eine weitere Erweiterung.
Für das Europäische Parlament bedeutet 1979 eine Wende: Zum ersten Mal werden seine Abgeordneten direkt gewählt.
Die EG der Zwölf
In Polen streiken im Sommer 1980 die Arbeiter der Danziger Leninwerft. Die unabhängige Gewerkschaft Solidarność und ihr Anführer Lech Wałęsa werden weltweit bekannt. Doch die Öffnung der EU muss warten. Zunächst wird Griechenland 1981 als zehnter Mitgliedstaat aufgenommen. 1986 treten Spanien und Portugal der EG bei, der damit zwölf Mitgliedstaaten angehören.
Obwohl die Binnenzölle 1968 abgeschafft wurden, verläuft der Handel innerhalb der EG nicht reibungslos, vor allem wegen unterschiedlicher nationaler Rechtsvorschriften. Die Einheitliche Europäische Akte von 1986 soll einen gemeinsamen Binnenmarkt schaffen. Ein Jahr darauf startet die EU das Erasmus-Programm zum Austausch von Studenten. Mehr als zwei Millionen junge Menschen haben bislang von dieser Förderung profitiert.
Deutsche Wiedervereinigung und Zerfall des Balkans
Doch das große Datum der 80er Jahre ist der 9. November 1989: der Fall der Berliner Mauer und die Grenzöffnung zwischen Osten und Westen Deutschlands, das ein Jahr später wiedervereint ist. Mit dem Ende des Kommunismus im östlichen Europa rücken die Europäer enger zusammen. Dann kommt es 1991 auf dem Balkan zur Auflösung Jugoslawiens. Die Kämpfe beginnen in Kroatien und greifen später auf Bosnien-Herzegowina über, wo Serben, Kroaten und Moslems sich in einem blutigen Bürgerkrieg bekämpfen.
1992 wird in Maastricht der Vertrag über die Europäische Union unterzeichnet, ein weiterer Meilenstein in der Geschichte der EU. Er legt die Vorschriften für die künftige gemeinsame Währung sowie für die Außen- und Sicherheitspolitik und eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Justiz und Inneres fest. Die „Europäische Gemeinschaft“ heißt nun offiziell „Europäische Union“. Ein Jahr später ist der Binnenmarkt mit seinen "vier Freiheiten" verwirklicht: freier Waren-, Dienstleistungs-, Personen- und Kapitalverkehr.
Die Union der 15
Von 1995 an gehören auch Finnland, Österreich und Schweden der EU an, die nunmehr 15 Staaten zählt. Keine drei Monate später tritt das Schengener Übereinkommen in Kraft. Es ermöglicht den Europäern, sich künftig ohne Grenzkontrollen frei zwischen EU-Ländern zu bewegen.
Der Vertrag von Amsterdam, unterzeichnet im Juni 1997, umfasst eine Reform der EU-Organe zur Stärkung der Stellung Europas in der Welt und zur Förderung der Beschäftigung und der Bürgerrechte. Am Ende desselben Jahres nimmt die EU Beitrittsverhandlungen mit zehn mittel- und osteuropäischen Staaten auf: Bulgarien, Estland, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien, Slowakei, Slowenien, der Tschechische Republik und Ungarn sowie den beiden Mittelmeerinseln Malta und Zypern. Der im Jahr 2000 unterzeichnete Vertrag von Nizza und seine Reform der EU-Abstimmungsregeln machen den Weg für die Erweiterung frei. Vollendet ist sie erst 2007.
Weitere Integration, weitere Ausdehnung
Der 1. Januar 1999 markiert eine weitere Etappe der europäischen Integration: Die Einführung der gemeinsamen Währung. Für die 300 Millionen Europäer werden die Euro-Banknoten und -Münzen 2002 eingeführt.
Am 11. September 2001 werden beim Terrorangriff auf das New Yorker World Trade Center und das Pentagon mit gekaperten Passagierflugzeugen 3000 Menschen getötet. Die EU-Staaten verstärken daraufhin ihre Zusammenarbeit mit den USA bei der Bekämpfung des Terrorismus.
Im Rahmen ihrer Außen- und Sicherheitspolitik übernimmt die EU im Jahr 2003 friedenserhaltende Maßnahmen auf dem Balkan, zunächst in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien, dann in Bosnien-Herzegowina.
Ein Jahr später, am 1. Mai 2004, endet die sechs Jahrzehnte währende Teilung Europas: Acht Länder Mittel- und Osteuropas – Estland, Lettland, Litauen, Polen, die Slowakei, Slowenien, die Tschechische Republik und Ungarn – treten der EU bei. Auch Malta und Zypern werden EU-Mitglieder.
Die 25 EU-Länder unterzeichnen einen Vertrag über eine Europäische Verfassung, der die wachsende EU demokratischer und handlungsfähigkeit machen soll. Weitere Länder klopfen an die Tür, wie die frühere jugoslawische Republik Mazedonien, Kroatien oder die Türkei. Mit den beiden letzteren nimmt die EU 2005 Beitrittsverhandlungen auf.
Doch das "Nein" der Franzosen und Niederländer bei den Volksbefragungen bedeutet das Ende der Verfassung. Sie wird 2007 durch den Vertrag von Lissabon ersetzt. Er behält die wesentlichen Reformelemente bei, ist aber weniger ehrgeizig. 2007 treten auch Bulgarien und Rumänien der EU bei.
Es ist also eine Europäische Union der 27 Staaten, die nun, im Jahre 2009, ihr Europäisches Parlament wählt.






